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Publikationen

Sachsen grüßt den Rest der (Design-) Welt PDF Drucken E-Mail

Eine umfangreiche Studie analysiert 1999 nicht nur 10 Jahre Designpolitik im Freistaat

 

Was ist einer Landesregierung heutzutage noch öffentliche Designförderung wert? Wenn überhaupt – warum betreibt sie die, und mit welchem Erfolg? Mit welchem Echo bei den „Betroffenen“? Mit welchen Konsequenzen für künftiges Tun und Lassen? Mit wem überhaupt hat „Designförderung“ zu tun? Auf welchen Stellenwert und auf welche Zielvorstellungen trifft sie bei Unternehmen, Design- und Werbeateliers, Technologie- und Innovationstransfer-Institutionen, Designzentren und gestalterischen Hochschulen? Wie nehmen die Medien Design wahr? Und ist das alles überhaupt konkret erfassbar oder doch eher subjektive Empfindungs- und Meinungssache?

Soeben ist beim Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Arbeit in Dresden ein in jeder Hinsicht gewichtiger, etwa A4-großer und über 160 Seiten umfassender Dokumentationsband „zur Designsituation in Sachsen“ erschienen, der auf diese und eine Reihe weiterer Fragen erstaunlich tiefgründige und differenzierte Antworten zu geben weiß. Unter dem eher ein wenig provinziell-behäbig wirkenden Titel „Sachsen auf gestalteten Wegen“ verbirgt sich eine nachgerade sensationelle Fülle von Detail- und Grunderkenntnissen zum Sachstand „deutsche Designpolitik heute“ generell, zu Unterschieden und Gemeinsamkeiten in Deutschland Ost und Deutschland West im besonderen und zu messbaren Erfahrungen und Wirkungen im Freistaat Sachsen im ganz besonderen.

Mit der Studie beauftragt – nach ordentlicher öffentlicher Ausschreibung – wurde das Designzentrum Sachsen e. V., die erste, vor 10 Jahren in den neuen Bundesländern nach der Wende gegründete derartige regionale Institution. Die ausschließlich über Projektmittel agierende Geschäftsführung versicherte sich der intensiven Mit- und Zuarbeit einer kleinen Hand voll Kenner der Design- und Unternehmensszene, darunter Lehrender und Studierender der Fachhochschule Dresden, und legte in beispiellos kurzer Zeit ein Kompendium an Fakten, Bilanzen, Erkenntnissen und perspektivischen Schlussfolgerungen vor, das eigentlich die Qualitätskriterien einer Dissertation erfüllt. Zwischen Auftragserteilung und Drucklegung lag gerade mal ein gutes halbes Jahr (!), in dem unter anderem umfangreiche spezifische Fragebogen für sächsische Unternehmen, Designateliers, wirtschaftsfördernde Institutionen, Designschulen und Medien verfasst, aber auch an die Adressen aller deutschen Designzentren versendet wurden. Interviews zu speziellen Aspekten der Designpromotion wurden überdies geführt und dokumentiert sowie Porträts und Reportagen verfasst, um die umfangreichen, akribisch analytisch aufbereiteten statistischen und tabellarischen Ergebnisse der Studie lebendig zu unterlegen. In sachsengrünen Einband gefasstes, übrigens auch fotografisch belegtes Ergebnis all dessen sind über 80 breitgefächerte Diagramme und Tabellen von „Gewerbliche Bereiche der Unternehmen“ über „Leistungsangebote deutscher regionaler Designzentren“ bis „Prozentuale Verteilung der sächsischen Landes-Designpreise“, eine ausführliche Kommentierung und Zusammenfassung sämtlicher Befragungsergebnisse, eine kritische Bilanz der Design-„Preis-Politik“ des Freistaates, ein Dutzend Standpunkte und Interviews zur Thematik staatliche Designförderung sowie ein stattlicher Anhang u. a. mit Musterverträgen und Tarifempfehlungen, allen versendeten Fragebogenformularen und einem umfangreichen Adressenverzeichnis. Bietet die Studie an sich schon eine Vielzahl an bundesweit relevanten Vergleichs- und Erkenntnismöglichkeiten, so vermittelt sie zudem mit dem besonderen Kapitel „Regionale Designeinrichtungen der Bundesländer im Vergleich“ einen hochinteressanten, erstaunlich detaillierten aktuellen Einblick in die derzeitige Situation (fast) aller Designförder-Institutionen zwischen Bodensee und Insel Rügen, in deren Arbeitsschwerpunkte, Zielgruppenorientierungen, Mitglieder- und Finanzsituationen und Erfahrungen bei der Zusammenarbeit mit den Partnern in Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Bildung und den Medien. Somit ist der in einer Auflage von 1000 Exemplaren erschienene Band nicht nur eine aufschlussreiche erste Dekaden-Analyse sächsischer Landes-Designpolitik, sondern vielmehr auch ein strategisch-informativer Leitfaden für jedermann, der auf Fakten und Analysen über reale Wirkungsmöglichkeiten und Effizienzen des Marktinstruments Design aus ist.


(erschienen 2000 in HORIZONT, Frankfurt am Main)