| Formhalter Bügel |
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Albrecht Ecke, ein Designer, ein Formgestalter, widmet sich in der Werkbundgalerie – mithin ein Gestaltungsfachpublikum ansprechend – dem Werkzeug Kleiderbügel. Es stellt sich hier nun freilich die Frage: Was hat der Kleiderbügel wirklich mit Formgestaltung zu tun? Der Bügel bügelt ja nicht, glättet und plissiert nichts, sondern hält nur in Form, was andere vollbracht haben. Er ist kein kreativer Formgestalter, sondern ein passiver Form-Erhalter. Aktivstenfalls sind Kleiderbügel noch Form-Verwalter, insofern sie – wohlgeordnet – Mäntel, Anzüge, Sakkos, Hosen, Kleider, Blusen und Röcke in Reih und Glied auseinander halten. Es soll ja solche Kleiderschrank-Hausordnungen in der Tat noch geben unter deutschen Dächern. Apropos bügeln: Warum bügelt eigentlich das Bügeleisen? Auch die Etymologen wissen es nicht so bestimmt und legen ihre Stirnen hier in Falten: „bügeln“ rührt von „biegen“ und „gebogen“ her. So viel ist sicher. Aber nennt sich das Bügeleisen nun nach seinem, einen Bogen beschreibenden, Griff – oder weil es dereinst, in seiner Urzeit, selbst ein gebogenes Eisen war? Stünde somit aber nicht viel eher dem Aufhänger am Bügel, diesem aus Eisen oder Kunststoff krummgebogenen Fragezeichen, die Bezeichnung „Bügel“ zu? Und in der Tat hängt zudem das von uns fälschlich als Bedeutungs- und Kleidungsträger betrachtete Bügel-Schulterteil funktionell ja total von jenem Haken ab: Reißt sein Schraubgewinde aus dem mit schwerer Winterklamotte belasteten Holzteil oder bricht der Plastikhaken, ist jenes angebliche Bügelhauptteil zu gar nichts mehr zu gebrauchen! Andersherum: Auch ohne es funktioniert der Haken sehr wohl an und für sich. Zum Ärgernis für meine Frau, wenn ich meine Hosen nicht ordentlich über den Hosensteg lege, sondern sie einfach, den Bügelhaken durch die Gürtelschlaufe steckend, abhängen lasse. Wozu sind denn die Beinkleider heute – bügelfrei. Und meine Gattin selbst macht’s ja auch nicht viel besser. Wenn sie den Bügelwäscheberg abarbeitet – was tut sie? Sie hängt meine fertigen Hemden nicht etwa auf einen Bügel, sondern über die große Messingtürklinke neben dem Plättbrett. Ein Hemd übers andre. Beim zehnten sieht es dann fast so aus, als spreize es sich tatsächlich auf einem Bügel. – Aber fragen Sie nicht, was ab dem dritten, vierten Hemd mit den Kragen geschieht! Ich bin das wirklich leid. Deshalb hier, lieber Albrecht, dieser vermaledeite Ersatzbügel – für Deine Sammlung. Da der aber nun daheim beim Bügeln fehlt, würde ich mich über eine Gegengabe von Dir freuen. Du wolltest mir doch schon lange für meine DDR-Designsammlung zu einem Menzel-Furnierschichtholzstuhl der Deutschen Werkstätten Hellerau verhelfen. Dessen sanft geschwungene Lehne ist der schönste Bügel, den ich mir für meine Hemden denken kann!
(Laudatio Ausstellung „Bügel“ von Albrecht Ecke, Werkbundgalerie Berlin, 2003) |











