Tendenz gegen null

Maximen und Reflexionen über die Situation der Designzentren in den neuen Bundesländern

Die diesjährige „Kulturstadt Europas“, wie sie Goethes einheimischer Zeitgenosse Joseph Rückert 1799 in seinen „Bemerkungen über Weimar“ sah: „Das innere Weimar zeichnet sich weder durch Größe noch durch den Geschmack aus, der es bewohnt. Weimar erscheint in diesem Stücke wie seine Genie’s, die wenig auf das Äußere halten. (…) Und wenn auch der Geschmack durch die Gestalt dieser kleinen Stadt eben nicht erfreut wird, so stößt er doch auch nirgend auf etwas, das ihn beleidigen könnte.“

Die Genie’s vom Schlage eines Herder, Goethe, Schiller, Liszt oder Nietzsche sind den Weimaranern im Laufe der verflossenen 200 Jahre mehr und mehr ausgegangen, aber in puncto „Geschmack“ hat die Stadt an der Ilm währenddessen unbestreitbar hinzugewonnen, besonders im Verlaufe eben jener klassizistischen Stilepoche, aus deren Aufschwungphase Rückerts Betrachtung stammt, und dann noch einmal hundert Jahre später, zu van de Veldes Zeiten. Erst als sich später die Nazis mit Großmachtarchitektur und anschließend die dilettierenden sozialistischen Späterben der radikalsten Bauhaus-Funktionalisten mit der Errichtung von Wohnklötzen in das Stadtbild einmischten, erlitt es einige beleidigende Ohrfeigen. [paycontent]

Seit eineinhalb Jahren nun sieht sich Weimar, seit jeher auch ein Hort der bildenden Künste und tönenden Musen, um eine neue, öffentliche Geschmacksinstitution bereichert. Anfangs für die Allgemeinheit noch eher im Verborgenen wirkend, wenn auch sehr effizient, vor allem als Konsultationspartner für Mittelstand und Handwerk, wird sie neuerdings zunehmend sichtbar aktiv. Ihr Name: Design Zentrum Thüringen.  [paycontent]Jenes war von 1994 an mit engagierter Unterstützung des Erfurter Ministeriums für Wirtschaft und Infrastruktur und dem Gesamteinsatz von über 2 Millionen DM Landesmitteln zunächst als Projektbereich der Geraer THATI GmbH (Thüringer Agentur für Technologietransfer und Innovationsförderung) aufgebaut und 1996 in Betrieb genommen worden; seit November 1997 hat der mittlerweile eigenständige e. V. am Weimarer Rathenauplatz sein festes Domizil.

Von hier als jüngster Einrichtung dieser Art in den neuen Bundesländern gehen seither mannigfache kontinuierliche regionale Design-Förderungs- und -Promotionaktivitäten aus – unternehmenskonkrete Design-Managementberatungen, Vorträge, Seminare, Workshops, Ausstellungen oder auch, wie unlängst, spektakuläre Auftritte im öffentlichen Raum: In einer Gemeinschaftsaktion mit der Fakultät Gestaltung an der Bauhaus-Universität Weimar, mit Firmen und Einzelhändlern der Stadt sowie 19 Designern der internationalen Szene wurde von Dezember ‘98 bis Januar ‘99 das Pilot-Ausstellungsprojekt „DesignBoje“ realisiert und soll der großen Resonanz wegen im Kulturstadt-Jahr bei jeweils sechswöchiger Dauer noch dreimal wiederholt werden. Als eigenwillige Kurszeichen an Wegen und Plätzen des Weltkulturerbes warben die Außenraum-Vitrinen mit ihren inszenegesetzten Produkten für ganz zeitgenössische Thüringer Augen-, aber auch Ohren- und Gaumenfreuden.

Nicht zuletzt dank der Existenz des Designzentrums macht Erzeugniskultur aus Thüringen aber auch längst über die Landesgrenzen hinaus von sich reden, worauf Geschäftsführer Hansjoachim Gundelach besonders stolz ist. So zeitigt vor allem der seit 1994 von der Landesregierung alljährlich mit 50 000 DM ausgelobte „Thüringer Preis für Poduktdesign“, dessen Jurierung und Populariserung nun auch in den Händen des Weimarer Vereins liegt, immer beachtlichere Ergebnisse. Eine technologisch und ästhetisch völlig neuartige Ostthüringer Textil-Kreation etwa, 1997 mit dem Landespreis ausgezeichnet, fand im Jahr darauf in Frankfurt am Main gar den Beifall der Bundes-Design-Oscar-Verleiher, und eine ganze Reihe von Thüringer Gestaltungs-Spitzenleistungen, unter anderem auch mit iF-Awards und Essener Roten Punkten dekoriert, wird auf der bevorstehenden Ausstellung „Ausgezeichnetes Design aus den neuen Ländern“ vertreten sein, mit der ja (neben weiterem) auf der kommenden Hannover Messe der zweite Auftritt der Design-Initiative der deutschen Wirtschaft eingeläutet werden soll.

Zweifellos kommt der hohen Qualitätsausbeute in Thüringen auch das schon lange hier beheimatete (und kaum abgewanderte) pfiffige Gestalterpotential zustatten, das bereits zu DDR-Zeiten hier seine Hochburgen hatte – in den kombinats- und werkseigenen Designbüros etwa der optischen und Glas-Industrie Jenas, des Weimarer Landmaschinenbaus oder bei Robotron in Sömmerda, aber auch im Gothaer Regionalatelier des damaligen VEB Designprojekt Dresden, das sich unter anderem um den international renommierten Waltershäuser Kleintransporter „Multicar“ und die Suhler Zweiradproduktion der achtziger Jahre kümmerte.

Im Bewußtsein nicht nur der Gestalter, sondern vor allem der mittelständischen Industrie und zunehmend auch in dem der allgemeinen Öffentlichkeit hat sich das Weimarer Designzentrum mit seiner von der Politik protegierten (und jährlich zu rund 90 Prozent aus einem festen Haushaltstitel des Thüringer Ministeriums für Wirtschaft und Infrastruktur finanzierten!) Beratungs- und Ermutigungsarbeit in kurzer Zeit zum unbestrittenen Kompetenzzentrum für landesspezifische und zugleich weltmarktfähige Produktkultur-Pflege entwickelt. Eine Tatsache, die in den Ohren anderer ost- und mitteldeutscher Designzentrums-Initiatoren wie das Sesam-öffne-Dich-Märchen aus Tausend und einer Nacht klingen muß. Denn so detailliert (und dabei immer noch stark reduziert) die Weimarer Erfolgstory hier umrissen werden konnte, so armselig, so politisch unterernährt bietet sich die „restliche“ Designförderungs-Landschaft der neuen Bundesländer größtenteils dem Auge des Betrachters dar.

Immerhin noch kontinuierlich öffentlichkeitswirksam, wenn auch mit permanent angezogener finanzieller Handbremse, arbeitet das seit März 1995 zunächst im einstigen Paul Klee – Meisterhaus in Dessau ansässige und jetzt in einer schönen klassizistischen Stadtvilla in Citynähe untergebrachte Designzentrum Sachsen-Anhalt. Die wie der Jetzt-Weimaraner Gundelach einst aus dem Westen herbeigeholte Geschäftsführerin Marion Diwo (übrigens auch zugleich aktive „Aufbauhelferin“ des Thüringer Designzentrums) erweist sich mittlerweile als besonders entschlossene und, wenn nötig, ziemlich unbequeme echte „Neubundländerin“, der es vor allem darum geht, „dem nach der wirtschaftlichen Abwicklung der DDR aufs schwerste in Mitleidenschaft gezogenen traditionsreichen gestalterischen Identitätspotential dieser mitteldeutschen Wirtschafts- und Kulturregion wieder auf die Beine zu helfen“.

Seltsamerweise stieß das Designzentrum dabei bislang auf keinerlei nennenswerte Gegenliebe ausgerechnet beim Bauhaus Dessau, das sich in den Jahren nach der Wende ganz auf die Rolle der selbstgefälligen Pro-domo-Stiftungseinrichtung kaprizierte, sehr zum Bedauern übrigens auch der vor immensen Aufbau- und Gestaltungsaufgaben stehenden Stadtväter. Die indes identifizierten sich nicht nur von Anfang an ideell mit den Zielen des in Gründung befindlichen Landesdesignzentrums in ihren Mauern, sondern bauten aktiv an einer bewußt alternativ gewählten Konstruktion gegenüber den weitverbreiteten, potentiell labilen Vereins-Tragwerken solcher Institutionen mit. Die Stadt Dessau, vertreten durch den Oberbürgermeister, und die Dessauer Stadtsparkasse wurden zu ordentlichen Gesellschaftern einer mit den notwendigen Grundfinanzen ausgestatteten gemeinnützigen GmbH Designzentrum Sachsen-Anhalt.

Hinzukommende Projektmittel des Landesministeriums für Wirtschaft, Technologie und Verkehr und gelegentlich auch des Bundeswirtschaftsministeriums sichern ein Mindestmaß langfristiger Arbeit im von Diwo erklärten Sinne ab – Knowhow-Beratungen für an professionellen Designleistungen erstmals interessierte Firmen, öffentliche Fachvortrags- und Diskussionsveranstaltungsreihen, Ausstellungs- und Publikationsprojekte und die organisatorische Betreuung des „marianne brandt – preis für design des landes sachsen-anhalt“, der in diesem Monat zum zweiten Mal vergeben wird.

Auch die derzeit wohl spektakulärste und zugleich unmittelbar nützlichste Initiative des Designzentrums wäre nur aus Vereinsmitgliedsgeldern und Finanzierungs-Bittgängen, von denen andere ostdeutsche Schwesterinstitutionen leben müssen, niemals zu realisieren gewesen: Die seit Herbst vergangenen Jahres in der neuentstehenden Waldsiedlung Dessau-Kochstedt, einem Konversions-Pilotprojekt des Landes, unvermindert auf regen Zulauf stoßende Präsentation einer Dreiraum-Musterwohnung der Dessauer Wohnungsgesellschaft, die ausschließlich mit Produkten aus 22 anhaltischen Unternehmen eingerichtet ist. Was gut und gerne auch in einem Bauhaus-Workshop hätte entworfen werden können, präsentiert nun hier die qualitäts- und innovationsbewußte Dessauer Tischlerei Vetter als originäres Highlight fürs Publikum, das „Dessauer Schlafzimmer“ als Einbauensemble in bester Tradition des Bauhauses und des Neuen Frankfurt.

Im brandenburgischen Frankfurt (an der Oder) wird zwar seit der Eingemeindung in die Bundesrepublik Deutschland auch allerhand Neues gebaut und recht Ansehnliches darunter (im Gegensatz zur Landeshauptstadt Potsdam), aber hier wie dort sieht die märkische Provinzregierung ganz und gar nicht die Notwendigkeit für die Errichtung oder auch nur Mitbetreuung einer kontinuierlich aktiven Designförderungs-Instanz. Dabei fehlt es im Lande weißgott nicht an potentiellen, aber eben auf moralische, fachlich-beratende und „fördermittelmäßige“ Unterstützung angewiesenen Interessenten vor allem im Kreise existenzgründender Produzenten und Dienstleister.

Als 1996 die beabsichtigte Länderfusion mit Berlin im Volksentscheid platzte und damit auch das öffentlich von Potsdam nicht ausposaunte, aber insgeheim favorisierte Modell einer unterm Dach des Internationalen Design Zentrums Berlin (IDZ) zusammengefaßten designpolitischen Kompetenzzentrale für Berlin-Brandenburg, hielt man im Brandenburger Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Technologie zwar am voreilig als Mitgift eingerührten Festtagskuchen „Designpreis Brandenburg“ fest (bis heute), setzte aber den frisch eingerichteten Haushaltstitel „Designförderung“ schon bald auf null, wie es im Finanzdeutsch so schön heißt. Ebenfalls bis zum heutigen Tag.

Nun sitzen die einstigen Pioniere einer an der Fachhochschule Potsdam mit Elan ausgedachten und für den Berlin-brandenburgischen Gesamtauftritt konzipierten „Designinitiative Brandenburg e. V.“ unglücklich, weil so gut wie mittellos und alleingelassen auf derselben herum. Gelegentliche zwischenzeitliche Lebenszeichen wie die vor Jahresfrist mit Hochschulmitteln ausgerichtete Potsdamer „Europäische Designkonferenz“ (HORIZONT berichtete ausführlich) sind deshalb vielleicht um so mehr zu bewundern, entbehren in ihrer aufopfernden, aber leider im landespolitischen Abseits keine zählbaren Treffer erzielenden Zwanghaftigkeit jedoch nicht einer gewissen Tragik.

War der von der Designinitiative sehr engagiert betreute, 1995 erstmals verliehene Landesdesignpreis Brandenburg noch offiziell „in Kooperation mit dem Internationalen Design Zentrum Berlin“ zuwege gebracht worden, so trennten sich anschließend mehr und mehr die Wege beider regional eng benachbarten Institutionen. Weniger im (nun) Konkurrenten-Zorn, sondern vielmehr mangels absehbarer gemeinsamer landespolitischer Perspektive einerseits und angesichts auch dem IDZ knapper und knapper zugeteilter Berliner Haushaltsmittel.

1997 wurde das vormals weltweit anerkannte und der (West)Berliner Landes- wie der Bundespolitik vielfache Wertschätzung einbringende Design-Promotion-Institut (eben leider auch „nur“ ein gemeinnütziger e.V.) ratz-batz von der sie fachlich und finanziell langjährig begleiteten Wirtschaftssenatsverwaltung in die Selbständigkeit entlassen. Ein schwerer Schlag zunächst, mit einstweiliger Geschäftsschließung und mancherlei sonstigem Unbill verbunden. Von ihm rappelt sich das IDZ, nun in seinem sogar viel repräsentativeren und doch billigeren Domizil in Ostberlins neuer Oberbaum City, sichtbar wieder auf. Wieder gibt es Mitglieder- und Seminarveranstaltungen, Designberatungen, Ausstellungen und sogar Kongresse – auch ganz ohne Senats-Goodwill, der (beziehungsweise das kultur- und wirtschaftspolitische Format der Bundeshauptstadt-Stadtregierung) nun nicht einmal mehr so weit reicht, sich bei den wieder öfter zu beobachtenden öffentlichen Begegnungen der Designszene sehen zu lassen.

Wenn das IDZ, dessen fast dreißigjährige Geschichte und glückliche jüngste Wiedergeburt eine eigene Betrachtung wert wäre, letztendlich nicht auch auf eigenen (freilich noch geschwächten) Beinen weiterzugehen vermocht hätte, wäre das freilich auch ein Skandal für Verein und Vorstand gewesen – bei heute über 500 eingetragenen zahlenden Mitgliedern, darunter vielen wohlbetuchten Firmen und Designateliers, die sich auch mal noch als Sponsoren erweisen, wenn’s nottut.

Da haben es die beiden letzten zu erwähnenden, seinerzeit aber als erste nach der Wiedervereinigung in den neuen Ländern gegründeten Designzentren weitaus schwerer, sich zu behaupten. Daß die Dresdener und Schweriner es „immer noch machen“, gleicht nun wieder einem Märchen aus Tausend und einer Nacht. Irgendwie muß ihnen wohl immer mal wieder Aladins Wunderlampe begegnen auf der trotzigen Suche nach Sinnerfüllung und Mittelzuwendungen.

Das 1991 ganz in Eigeninitiative vornehmlich von Gestaltern ins Leben gerufene Designzentrum Dresden e.V., das sich unglücklicherweise auch diesen ortsgebundenen Namen gab in einem Freistaat, dessen Industrie- und Handelszentren sich seit Ur-Sachsenzeiten her in „gemiedlicher“ Boshaftigkeit untereinander angiften, mußte sich von Anfang an damit begnügen, nur von Fall zu Fall Projektmittel aus der Landeskasse zu empfangen. Das härtet ab, und da wird schon mal über längere Zeit aus purem Enthusiasmus weitergemacht, wenn es auch mit den wenigstens teilweise vom Wirtschaftsministerium bezuschußten angebotenen Designberatungen für Firmen hängt. Das hier in Sachsen vorhandene Potential wirksam zu umwerben, mit permanenten öffentlichen Aktivitäten oder wenigstens mit Anzeigen, dafür reichen Mitgliederbeiträge aus nur rund dreißig Brieftaschen natürlich nicht – nicht einmal für die Portokasse.

Auch um die Ausrichtung des jeweils regierungsamtlich ausgerufenen sächsischen Landes-Designpreises (dafür gibt’s dann Geld aus dem Etat) hat sich die – 1997 nun klugerweise in „Designzentrum Sachsen“ umbenannte – gemeinnützige Einrichtung dem ordentlichen Wettbewerb, unter anderem auch mit gewerblichen Designpromotion-Anbietern, zu stellen. Denn der Freistaat betonte immer und bleibt dabei: Keine aus öffentlichen Mitteln finanzierte institutionelle Designförderung in Sachsen! Eine anerkanntermaßen stets ohne Wenn und Aber öffentlich artikulierte Position, an der das Designzentrum nicht nur bislang nicht zu Grunde gegangen ist, sondern für die seine Von-Anfang-an-Geschäftsführerin Viola Hößelbarth mittlerweile sogar viel Verständnis hat. „Wir müssen endlich die Arbeit des Vorstandes enorm intensivieren und vor allem viel mehr unter soliden Unternehmen, auch erfolgreichen Design- und Werbeagenturen im Lande für eine Mitgliedschaft werben. Dies brächte nicht nur ein Mehr an Einnahmen fürs Agieren, sondern vor allem auch an tätiger Kompetenz“, sagt sie. Hauptsache, der Vorstand vernimmt’s. Im Moment sucht er händeringend nach einem neuen Vorsitzenden – so renommiert wie der jetzige, vor zwei Jahren aus Chemnitz herzugeeilte Designprofessor Rolf Frick, der nun aus gesundheitlichen Gründen das Handtuch werfen muß.

Auch das Schweriner DesignZentrum Mecklenburg–Vorpommern e. V. hat Kummer mit seiner personell ebenso schwach besattelten Vereinsarbeit, und der vor einem Jahr neuangetretene Vorstandsvorsitzende Professor Otto Kummert, Leiter einer angesehenen Design- und Kunstprivatschule in Anklam, sieht sich derzeit – nomen est omen – immens vergrößertem ausgesetzt. Dem Berliner Senatsbeispiel folgend, stellte nämlich der damalige Wirtschaftsminister des Landes für 1998 ebenfalls die projektorientierte institutionelle Förderung des 1993 unter großem Beistand seines Wirtschaftsministeriums gegründeten und zweifelsfrei nicht etwa erfolglosen, sondern im Gegenteil ungeheuer produktiven und bis ins Bundeswirtschaftsministerium hinein hochrespektierten Vereins vollständig ein.

Unter anderem warnte die damalige Noch-Oppositionspartei PDS im Landtag vehement davor und konnte nicht müde werden, die tatsächlich enorme Bilanz mit jährlich ins Dutzend gehenden wirtschafts-, landeskultur- und tourismusfördernden Workshops und anderen, immer interdisziplinären Veranstaltungen aus der Handvoll Leute über den gelben Raps zu loben. Mecklenburg–Vorpommern sei nun mal ein weder mit Designern noch mit investitionskräftigen Unternehmern reich gesegnetes Land und habe gerade deswegen ein staatlich unterstütztes, langfristig angelegtes Designförderprogramm bitter nötig, hörte man im Parlament.

Indes: es bleibt bis heute, auch unter der Ressortverantwortung eines PDS- Wirtschaftsministers, bei null unterm Titel „Designförderung“, und die Schweriner Geschäftsstelle, die nie einen Geschäftsführer bestallen konnte, sondern sich immer nur einen Projektleiter aus den freilich regelmäßig sachbezogen fließenden Mitteln halten, mußte Ende 1998 geschlossen werden.

Nicht genug damit, droht dem Designzentrum nun sogar möglicherweise der Konkurs. Den Finanzministern der Länder ist es nämlich nach einer noch vom abgelösten Bundesfinanzminister Waigel erlassenen und nach wie vor bestehenden Bonner Order gestattet, steuerbegünstigte, weil als gemeinnützig eingeschätzte Fördergelder an die deutschen e.V.–Designzentren aus dem vergangenen Jahr rückwirkend zu besteuern. Trost im Unglück: Wenn der Dresdener Staatsminister dies wollte, wie es anscheinend seinem Schweriner Kollegen dem Munkeln nach nicht ferne liegt (ach, welcher Partei gehört der gleich an?), so könnte ja auch hier das Designzentrum Sachsen mit seinem „unterm Strich null“ durchaus gelassen bleiben.

Und sollte auch an den tatenfrohen Weimaranern der Kelch nicht vorübergehen, bleibt ihnen im schönen Goethe-Jahr 1999 immer noch dieses prophetische Schlußwort des Dichters zum Thema Design:

„Es werden jetzt Produktionen möglich, die null sind, weil ohne schlecht zu sein: null, weil sie keinen Gehalt haben, nicht schlecht, weil eine allgemeine Form guter Muster den Verfassern vorschwebt.“ (Maximen und Reflexionen)

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(Beitrag für HORIZONT, Frankfurt am Main, 1999. Anmerkung: Von den aufgeführten regionalen Designzentren existieren heute nur noch das IDZ Berlin mit stark reduziertem Dienstleistungsangebot sowie das DesignZentrum Mecklenburg-Vorpommern mit heutigem Sitz in Rostock-Warnemünde.)

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